Lothars wahre Lügengeschichten

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Bei de schwäbische Verwandschaft

- oder‘s Reutlinger Middagesse -

Du, will‘sch net doch d‘Schuh ausziehe?
um de Teppich geht‘s mr jo net
aber du hättsch‘s halt bequemer
- do sin e Paar Schläpple vom Eberhart

Möchtest du nicht doch die Schuhe ausziehen?
um den Teppich geht es mir nicht
aber du hättest es halt bequemer
- hier sind die Hausschuhe vom Eberhart

wart, i leg dr e Deckle dronter
s‘isch net wege de Kautsch
s‘isch bloß
daß‘d net so diräkt mit der Janes druffsitzsch

 warte ich lege dir eine Decke darunter
es ist nicht wegen der Sonntags-Couch
es ist nur
dass du nicht so direkt mit der Jeans daraufsitzt

 do guck, e Rieseschüssel Kopfsalat
schöpt dr ordendlich
weicht, der koscht garnichts
- de wächst im Gaade und bevor er schießt
und Schnecke drogehet

schau, eine Riesenschüssel Kopfsalat
nimm dir reichlich
weist du, der kostet nichts
- der wächst im Garten und bevor er austreibt
und in die Schnecken daran gehn

 sieg‘sch, i henn extra die bessere Spätzle gnomme
i häb mr denk
wenn de schon mol do bisch
- un so oft kommsch jo net

 schau, ich habe extra die guten Nudeln gekauft
ich habe mir gedacht
wenn du schon mal da bist
- und so oft kommst du ja nicht zu Besuch

 Also zum Wohl, aber gell
de Woi mit Verstand schlotze
uff de Salzbrätzle hab i dir des Salz runtergrümmelt
damit du net so durschtig wersch
woisch, de Woi i‘sch was B‘sonderes
den hän ma zu Weihnachte geschenkt krieagt

 Also zum Wohlsein, aber
den Wein bitte mit Verstand geniesen
auf den Salzbrätzeln habe ich das Satz entfernt
damit du nicht so durstig (teuer) wirst
weist du, der Wein ist was Besonderes
den haben wir zu Weihnachte bekommen

 also, en gute Appetit
lang käftig no
s‘braucht Heit nix übrig bleibe
un
die Hirner hen scho grigt

 also, einen guten Appetit
bediene dich kräftig
heute braucht nicht übrigbleiben
und
die Hühner haben schon gefressen

 Schluchtz - s‘isch scho verschmerzt!

 Weinkrampf...was das alles gekostet hat!

 No bring mol dees, hoffendlich isses ebes Recht‘s,
dees Mitpringsel,
damit ich‘s auspacket koo.
Des lumpige Geschenkpapier müsst ma aufbürgle.
- Jo, waas ischen dees!
Dees ken-sch no-net mol weiter Verschenke!
Ha so ebbes, aber auch! Wann gangsch?
 Nun zeige mal her, ich freue mich darauf,
das Mitgebrachte
auszupacken.
Das Geschenkpapier kommt mir bekannt vor.
Na nu!
Ist das aber schön!
Nett, dass Du gekommen bist.

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