Lothars wahre Lügengeschichten

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Der schwäbische Rossbäbbel

1875 fuhr der Mecklenburger Siegfried Marcus (1831) aus Malchin das erste Auto, angetrieben durch einen von ihm erfundenen Benzinmotor (1864) laut knatternd und erfolgreich durch die Mariahilferstraße in Wien.
Er wurde geistesgegenwärtig durch einen weitblickenden Polizisten an der Fahrt in die Geschichtsschreibung gestoppt.
Ein Jud, nein das darf nicht sein! Also schnell zum Jahre 1886 vor und noch einmal erzählt!

Also des war narre so, elfe Johr später.
Also, das war so 11 Jahre später.

Dees Gottlieble, der Oberbechtler, vom Elsass zurückkehrt, saute 1853 von Cannstatt,
Herr Gottlieb, der Maschinenbaustudent vom Elsass zurückgekommen, wollte 1853 von Bad Cannstatt,

des liergt am Neckar, wo de Fisch gambe, nach Sturget, des leit überm Nesenbach.
das liegt am Neckar, wo fröhlich die Fische nach Sauerstoff springen, in die Schwaben-Metropole Stuttgart, idyllisch gelegen über dem Nesenbach. (Heute eingedohlt.)

Des isch de schwäbische Hauptflegga, „Wir können alles außer Hochdeutsch", aus dem scho de
Das ist die Hauptstadt mit dem Slogan: „ma kennet nix aus schwäbisch!" Aus der schon

Schiller ins Ausland zu de Badenser geflohe isch. Dees isch irgendwo hinter Pforze (Pforzheim)
Friedrich Schiller vor dem König, dem Gestank des Nesenbachs und der Kehrwoche, nach Baden geflohen ist.

Also, dem Gottlieble ging halt drom, de billige Reese von Oigens Besenwirtschaft zu schlotza.
Herr Gottlieb wollte den „Neuen Wein", der schon leicht gegoren war, von der Besenwirtschaft „zum Eugen" genießen.

So schirrte er die Liesel vor de Karre. „Hä? Aber noi, des war nett sei Fra!" Des war seui treues Gäuile.
So spannte er die Liesel vor die Kutsche. „Aber nein, dass war nicht seine Frau!" Das war sein treues Pferd.

Un als es gerademol die Weuisteig ruff ging, do in Sturget, do druckte es die Liesel und sie lupfte
Und als es dann die Stuttgarter Weinsteige hinaufging, drückte es die ziehende Liesel und sie hob zur ihrer

ebbes den Muggebatscher.
Erleichterung ein kleinwenig ihren Schweif.

Ein mord's Prachtsbäbbel! „Ha-no, also so ebbes!" U-noch mehr Prachtsbäbbel kame drunter raus
Ein paar unglaublich prachtvolle Pferdeäpfel kamen zum vorschein

und se plotzde eufach, „ja Himmel Herr... Sturget die brauch i für de Gade!", uff de Stroos.
und zerschellten, „Himmel erbarme dich, die brauche ich doch für meinen Garten!", auf der Strasse.

Hurtig jetzt, die Brems o-zoge. Doch do im Busch eu-n Rotzbengel, so ein ganz lier-d-rischer
Schnell die Bremse angezogen. Doch im Busch lauerte ein Bub, ein ganz böser,

Denger mit am Kutta-blech un euinem Kutta-oui-mer!
mit einem Kehrblech und Eimer!

Un klaute ihm alles andere als he-linge, die koschbare, noch dampfende Bäbbel.
Und raubte Ihm schnell und unverblümt die wertvollen, noch produktionsfrischen Biodüngemittel.

Wie-r-dre d'heum oh kummet, war de durchgerüttelte Reese noch bitter wie de billigschde Most.
Wieder zu Hause angekommen, war der durchgeschüttelte „Neue Wein" noch bitterer als Essig.

No nett-e-mol mit Zugga lies er sich schloza.
Noch nicht einmal mit Zucker (verboten) lies er sich munden.

„Ha so ebbes, do besch hi wie de Rossbäbbel uff de Känigstrooß!"
Na so etwas, fühlt man sich hin, wie ein Pferdeapfel auf der Königstrasse (in Stuttgart)!"

Un des elles an eum helleTag! „Sol em de Blitz beim ...Sch... treffe!"
Das alles an einem Tag! „Soll den Täter der Blitz beim ...Sch...!? treffen!"

Umtriebe hats'n, un so beschoss er sich nett noch e-mol beraube zu lasset.
Umgetrieben hat das alles ihn und so beschoss er, sich nicht noch einmal ausrauben zu lassen.

In Mannheim, als im u-schwäbischen Teil der Welt, gab's de' Kalle, oi rechts Käpsele, der hat eun
In der kurpfälzischen Stadt Mannheim gab es den Erfinder Carl , er hatte einen

Explosionsmotorle mit drei Räd-le gebechtelt un des wär ebbes für miii, eu pferdlose Kutsch.
Benzinmotor auf drei Rädern gebaut und das wäre das Richtige, eine Pferde unabhängige Kutsche.

„So-de-le, un die will i jetzt, und koschts was es welle! Un wenns de Liesel wär!"
„So, das will ich jetzt, koste was es wollte! Und wenn es die Liesel wäre!"

Also geschwind so-n Klepperfetze durch de Draht nach Mannheim an de Kalle geschickt. „Oh je-mi-ne!
Also schnell ein schnelles Telegramm nach Mannheim zu Herr Carl gesandt. „Das war teuer!"

antworttelegramm -stopp- an herr gottfried -stopp- bad cannstatt

„meine frau -stopp- die bertha -stopp- ist mit meinem einzigen patent motorwagen
modell 3 -stopp- und meinen beiden söhnen eugen (15) und richard (14) -stopp-
unstoppbar nach pforzheim unterwegs -stopp- da ein apotheker herr willi ockel -stopp- in
wiesloch eine tankstelle eröffnet -stopp- und sie mit ihrer hutnadel -stopp- marke adac -
stopp- den motor wieder zu laufen gebracht hat -stopp-

carl & cie. weltgrößte automobilfabrik mannheim waldhofstrasse 05. august 1888

 

„Heiligs Blechle, solle se die Elfen-Trischle (Korr.: Elwetrische) in Mannheim selber fange!"

Und sehr geheimnisvoll schnappte in Bad Cannstatt eine Gartenlaubentüre in ihr Schloss.
Von außen hörte man nur noch schwäbisches Gegrummel und Gekrammel:

„Ah Weib - fascht alloi am Steuer - ha so ebbes - wo kommet ma do no!"
Zum gur-de Glück war dees nett im pietistisch sittsam ausgefegten schwäbischen Ländle!"

Unterbrochen von unheimlichem Geschetter und Hammerschlägen:

"Was der lierdrische Badenser, der Gelbfüßler (richtig Kurpfälzer) kann, kann i schon lange...!"

Ein Gärtner vermutete verruchtes und holte die Polizei. Die fanden aber nur merkwürdig befremdlich motorisiertes auf Rädern.

Doch als (nicht immer) vernunftbegabten Homosapiens schwabis vulgäres, hatte er die Liesel zu früh zu Geld gemacht, also gemetzgert und verwurschtet. Die Metzelsuppe war also bald ausgelöffelt. - Und die heilige Rossbäbbel gab jetzt auch nicht mehr. Das „Benz-in" mußte er schon damals zu sündhaft teuren Apotheker Preisen bezahlen. „Gott-sei-bei-uns!"
So kam es, dass er in wehmütiger Erinnerung an die Liesel auf den Motorwasserkühler seines nun pferdelosen und neuen Motorwagen gut sichtbar etwas anschraubte. Eine Erinnerung an das wirklich Gute in der Liesel, den dampfenden Pferdeapfeln (Rossbäbbel), die immer wieder wundersam aus dem nicht Ausprechbaren unter ihrem Schweif herraus kamen, herrlich duftenden und immer kostbar für die Tomaten.

Ein symbolisches Rund ist es geworden, mit drei Falten. Eine Art Stern, der heute noch so manche Kühlerhaube ziert. Liesels Arnus!

„So isch's g'wäää!"

Das allererste Benzin angetriebene, elf Jahre ältere Automobil von Siegfried Marcus ist heute vergessen in einem Wiener Museum zu bestaunen und hatte natürlich schon vier Räder und bereits einen durch Magnetzündung gesteuerten Mittelmotor.

Ein persönlichen Dank dem weltoffenen, unbekannten Wiener Polizisten in der Maria..hilf (t)..straße.
Sonst hätte ich „des Geschichtle" vom „allerersten Automobil", statt auf schwäbisch, auf jiddisch schreiben müssen.

Wann aber wurde wirklich das allererste Automobil erfunden und von wem? In der Genesis erfahren wir es, - Adam und Eva sündigten in eine „Ford!"

© 2004-2016 Lothar Bladt Belin